Der Henker holt zum Axthieb aus, Soldaten schleifen wehrlose Frauen hinter sich her, abgeschlagene Köpfe in Massen - die Bilder von Fresken, Statuen und Bildern der Antik lehren einem das Grausen vor dem dunklen Mittelalter. War diese Zeit um soviel schlimmer als die heutige? Nein, meint Althistoriker Martin Zimmermann in seinem neuen Buch "Gewalt. Die dunkle Seite der Antike" (Deutsche Verlags-Anstalt, 416 Seiten, ISBN 978-3-421-04471-6). Die Gewaltdarstellungen hatten eine Funktion.

„Die Gewaltbilder dienten auch in Friedenszeiten der inneren Ordnung, denn sie vermittelten ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität“, erklärt Zimmermann. Seit gut zehn Jahren durchforstet Zimmermann antike Texte, sichtet antike Zeugnisse bildender Kunst und Architektur nach den Bildern der Barbarei. Jetzt hat er die Zusammenschau in seinem neuen Buch Gewalt. Die dunkle Seite der Antike verdichtet. Es ist indes keine Geschichte der Gewalt, sondern ein Abriss antiker Gewaltdarstellungen und ihrer Funktion. Zimmermann untersucht die „Kommunikation über Gewalt“, sie sei „ein Schlüssel zum besseren Verständnis antiker Kulturen“. Die Texte offenbarten soziale, politische und kulturelle Positionen, die mithilfe der Gewaltdarstellungen formuliert werden, „um der Gemeinschaft ethisch-moralische Konturen zu geben“. Sie erzählten nichts über tatsächlich verübte Gewalt.

Angesichts realer militärischer Bedrohungen vermittelten die drastischen Darstellungen heroische Kampfbereitschaft, proklamierten soldatische Tugenden, Wehrhaftigkeit und Entschlossenheit als Maßstab, auch wenn sie von einer vergangenen, von der Lebenswelt der Hörer weit entfernten Zeit erzählten.

Überhaupt dienen Schilderungen von Gewaltexzessen in der griechischen Antike dazu, eine gesellschaftliche Ordnung zu behaupten. Sie signalisieren, welche Taten „den Referenzrahmen der Gemeinschaft sprengen“. Es ging um die Frage, welchen Ort physische Gewalt in der Weltordnung und der menschlichen Gemeinschaft hat.

Liebe, Tod und Teufel, die Kunst im Mittelalter

 

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