Mittwoch, 19.04.2006
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Henri Toulouse-Lautrec
Pariser Nächte  
Magazin/Kultursendungen

Kein anderer Künstler war mit dem Lebensgefühl der Belle Epoque und der Bohème im großstädtischen Paris zum Ende des 19. Jahrhunderts so eng verbunden wie Henri Toulouse-Lautrec. Seine Beobachtungsgabe gehörte ganz der Welt von Montmartre, den Kabarettisten, Chansoniers, den Tänzerinnen und Prostituierten, einer Umgebung, in der er sich aufgehoben fühlte. Von seiner Herkunft her, als junger Adeliger aus einer vermögenden Familie in der Provinz war er eigentlich prädestiniert, das Leben eines Dandys zu führen. Seine Berufung zur Kunst und seine starke körperliche Behinderung machten ihn jedoch zu einem gesellschaftlichen Außenseiter. Seine Welt und seine Modelle fand er in den Bordellen und Cabarets von Montmartre. Obwohl Toulouse-Lautrec keine Revolution in der Malerei ausgelöst hat wie seine Zeitgenossen Cézanne, Monet oder van Gogh, hat er doch seinen eigenen Stil gefunden. Auf dem Gebiet der Lithographie und besonders in der Plakatkunst hat er eine Radikalität und Modernität entwickelt, die bis zur Formensprache der Comics führt. Seine Plakate trugen die Kunst auf die Straße und machten ihn bis heute zu einem der populärsten Künstler. Im Mittelpunkt seines Anteil nehmenden Interesses stand immer der Mensch und die kleinen Details, das 'petit rien', die das Humane ausmachen. Der Film versucht die Kunst Toulouse-Lautrecs im Kontext seines Lebens zu vermitteln, und führt den Zuschauer an die Orte seiner Kindheit, wie das Schloss zu Bosc in Albi in Südfrankreich, und natürlich auch nach Montmartre, wo er seine Pariser Nächte verbrachte.