Der Heidelberger Kunsthistoriker und Ostasien-Experte Prof. Dr. Lothar Ledderose erhält Balzan-Preis 2005 ausgezeichnet. Der Preis wird vergeben von der Internationalen Balzan Stiftung und ist mit einer Million Schweizer Franken (650 000 Euro) dotiert. Einer der ersten Gratulanten: der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Peter Hommelhoff. "Die herausragenden Arbeiten von Professor Ledderose zur Geschichte der chinesischen und japanischen Kunst haben erneut eine internationale Würdigung höchster Güte erhalten", so Hommelhoff. Diese Ehrung und Anerkennung werfe auch "Glanz auf die Universität Heidelberg, zu deren Profil unabdingbar die Geisteswissenschaften in ihrer ganzen Vielfalt zählen". Vor wenigen Jahren, so erinnert Hommelhoff, sei glücklicherweise eine Abwanderung Ledderoses nach Princeton in die USA verhindert worden - durch den Einsatz der Ruprecht-Karls-Universität Einsatz für den Professor...

Ledderose erhält, wie die Internationale Balzan Stiftung in Mailand mitteilte, den Balzan-Preis für Kunstgeschichte Asiens für seine Arbeiten zur Geschichte der chinesischen und japanischen Kunst, speziell "für seinen innovativen Beitrag zu einer Neuinterpretation der Kunst dieser Länder und für die Begründung einer neuen Sicht auf ihre Bedeutung im Zusammenhang der Weltkunst."  Weitere Balzan-Preise für Sozial- und Kulturgeschichte der Stadt, Populationsbiologie und Mineralphysik gehen an den Engländer Sir Peter Hall, das englische Ehepaar Peter und Rosemary Grant und das amerikanische Arbeitsteam Russell Hemley und Ho-kwang Mao.

Im Gegensatz zum Nobelpreis, der nicht an Geisteswissenschaftler verliehen werde, honoriere die Internationale Balzan Stiftung auch die Forschung auf diesem Gebiet. Zwei der auszuzeichnenden Sparten entstammen dieses Jahr dem Bereich der Kultur (Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Kunst), die anderen beiden den exakten Wissenschaften (Physik, Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin). Die Internationale Balzan Stiftung ist seit 1961 aktiv, um weltweit die Kultur und Wissenschaften sowie besonders verdienstvolle Initiativen für den Frieden und die Brüderlichkeit unter den Völkern zu fördern. Der Preis wird jährlich - ohne Ansehen von Nationalität, Rasse und Religion - Persönlichkeiten zuerkannt, die in ihrem Forschungsgebiet internationale Anerkennung genießen. Alle Preisgebiete werden jährlich neu ermittelt.


Die Überreichung der Balzan-Preise findet am 11. November 2005 im Bundeshaus in Bern statt. Die Preisträger werden vom Preisverleihungskomitee, dem 20 namhafte europäische Natur- und Geisteswissenschaftler angehören, unter dem Vorsitz des Botschafters Sergio Romano ermittelt. Die Auswahl erfolgt unter den Kandidatenvorschlägen, die von Universitäten, Akademien und internationalen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen zu diesem Zwecke erbeten werden.


Prof. Ledderose wurde am 12. Juli 1942 in München geboren. Von 1961 bis 1969 Studium der Ostasiatischen Kunstgeschichte, Europäischen Kunstgeschichte, Sinologie, Japanologie in Köln, Bonn, Paris, Taipei, Heidelberg. 1969 Promotion in Ostasiatischer Kunstgeschichte, Heidelberg. 1969-71 Studium in Princeton und Harvard, danach Übersetzer im Nationalen Palastmuseum, Taipei, Research Fellow an der Universität Tôkyô, 1975-76 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum für Ostasiatische Kunst der Staatlichen Museen Berlin. 1976 habilitierte sich Ledderose in Köln und übernahm 1976 den Lehrstuhl für Ostasiatische Kunstgeschichte in Heidelberg. Er war am Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin, ist Korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologisches Instituts, war von 1984-90 Erster Vorsitzender der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft und 1986 Präsident des International Congress of Asian and North African Studies (ICANAS) in Hamburg.

>> Ein vollständiger Lebenslauf und sein wissenschaftliches Werk ist in englischer Sprache unter http://www.sino.uni-heidelberg.de/oak2/index.php?id=22 zu finden.