ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und VolkswagenStiftung laden ein zum Diskurs über "Das Bild in der Gesellschaft. Neue Formen des Bildgebrauchs" vom 20. bis 22. Januar 2006
Die Erfindung der Fotografie in der Mitte des 19. Jahrhunderts markiert nach Meinung vieler Experten das Ende der Geschichte des Bildes als von menschlicher Hand gestaltetes Kunstwerk. Das Tor wurde aufgestoßen zum Universum der technischen Bilder, das inzwischen längst alle Lebensbereiche übergreift: Wir sehen das Ultraschallbild des ungeborenen Kindes, sind den Aufzeichnungen der Überwachungskameras in der U-Bahn ausgesetzt und verfolgen im Fernsehen, wie Raketen exakt ins Ziel treffen, weil Satellitenaufnahmen jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche erfassen. So gegenwärtig uns diese technisch erzeugten und verbreiteten Bilder sind - meist auch in ihrer neuen Bedeutung und ihrem immensen Einfluss -, so wenig haben wir bislang systematisch ihre Wirkungen erforscht. In einem multidisziplinär besetzten Symposium sollen nun Ansätze einer neuen Bildwissenschaft diskutiert und angewandt werden. Teilnehmer aus Wissenschaft und Kultur wollen den Wandel und das Wirken des Bildes in der Gesellschaft analysieren und dabei auch kulturphilosophische und sozialtheoretische Aspekte erörtern. (idw)

Das Symposium "Das Bild in der Gesellschaft. Neue Formen des Bildgebrauchs" findet statt vom 20. bis 22. Januar 2006 im Medientheater des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe. Es bildet den zweiten Teil einer von der VolkswagenStiftung initiierten und geförderten Auseinandersetzung mit dem heutigen Bildbegriff, dem Ende 2004 ein Diskurs zum "Bild in der Wissenschaft" vorausging. Die Auftaktveranstaltung am 20. Januar 2006 um 18 Uhr wird von den internationalen Fotokünstlern Jim Gehrz und James Nachtwey gestaltet.

Das Karlsruher Symposium soll vor allem dem wissenschaftlichen Austausch dienen, bezieht dabei Künstler und Praktiker aus relevanten Gebieten ein. Denn nur mit einer multidisziplinären Herangehensweise sind die unterschiedlichen Aspekte der Thematik zu erfassen - und dem entspricht auch das in mehrere Sektionen unterteilte Programm. Stichworte sind unter anderem "Der Bildgebrauch in den Massenmedien", "Bildpolitik" und "Das neue Paradigma: Bilder zwischen Zeichen und Objekt".

So wie sich die Bilder wandeln, muss sich auch die Auseinandersetzung mit ihnen verändern. Doch selbst wenn der Schlüsselbegriff iconic turn schon über zehn Jahre seine Gültigkeit beweist und als Ausgangspunkt vieler Forschungen und Diskussionen dient, so ist es bislang nicht gelungen, die Auswirkungen der machtvollen Herrschaft der neuen Bilder auf Kultur und Gesellschaft hinreichend zu analysieren. Zu umfassend und vielfältig sind die Wirkungen des Wandels, als dass man der Bilderflut schon hätte begrifflich Herr werden können. Bildmaschinen wie Foto und Film leiteten eine Entwicklung ein, die schließlich zu Fernsehen und Internet, den Bildübertragungssystemen der postindustriellen Revolution, führte. Der Bildraum weitete und weitet sich mehr und mehr, völlig neue Formen und Gebrauchsweisen entstanden.

Nie zuvor haben sich Bilder so blitzschnell und weltumspannend verbreitet - und vor allem: so eindringlich Wirkung gezeigt. Dabei hat das technische Bild nicht nur den Bildraum, sondern auch den Sozialraum erweitert. Von der Kontrolle - etwa durch apparative Mustererkennung - über die Simulation nie geschauter oder realer gefährlicher Welten bis zur Anwendung als Mittel der Erpressung und Erniedrigung: Bilder spielen heute eine radikal andere Rolle in der Gesellschaft, mannigfaltig und einflussreich wie nie zuvor. In der neuen Sozialgeschichte des Bildes haben die technischen Bilder nicht nur Aufgaben der Repräsentation, sondern auch einen Zweck, und nicht nur den Status der Autonomie, sondern auch den von Dienstleistungen.

Mit Blick auf den Prozess der Erkenntnisgewinnung hat sich das technische Bild einen Platz auf Augenhöhe mit den fundamentalen Größen Sprache und Zahl erobert: Vielfach ist es präziser als Worte. Der Preis, den wir für diese Präzision und Verfügbarkeit zahlen, ist hoch: der Verlust des menschlichen Monopols der Bilderzeugung und -verteilung. Wir sehen häufig die Welt nicht mehr mit eigenen Augen, sondern mit jenen von Maschinen. Unsere Augen sind gleichsam enteignet. Der Gewinn hingegen ist, dass wir als Beobachter zweiter Ordnung oft mehr sehen, besser sehen, weiter sehen. Denn der Vorteil des apparativen Bildes liegt in seiner zweifachen Leistungsfähigkeit: in einer nie zuvor erreichten Abbildungsgenauigkeit einerseits und zum anderen in der Fähigkeit, die Wirklichkeit zu durchdringen.

Wozu führt unser täglicher Umgang mit diesen "technologischen Serviceleistungen"? Wie wirkt sich die Macht der millionenfach verbreiteten Bilder in unserer Gesellschaft und Kultur aus? Hat die Hochtechnologie des Bildes die Hochkultur des Bildes zerstört, dient es nur noch der Massenkultur? Vor welcher neuen Kultur steht also die Bildkultur? - Spannende Fragen, zu deren Beantwortung das Symposium am ZKM in interdisziplinärem Diskurs beitragen möchte. (idw)

> Veranstaltungsort:

>> ZKM | Karlsruhe, Medientheater, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe

> Veranstaltungsauftakt:
>> 20. Januar 2006, 18 Uhr, mit Jim Gehrz und James Nachtwey

> Kontakt:

>> VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 380
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>> Kontakt Symposium
ZKM | Karlsruhe
Dominika Szope
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> Weitere Informationen:
>> http://www.zkm.de - aktuelles Programm



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