Archäologe der Universität Jena untersucht Ritualdarstellungen in Tunesien
Jena (20.03.06) Eine Stele, zweigeteilt. Im oberen Register thront die Hauptgottheit samt Begleitung, an den Seiten Figuren aus der griechischen Mythologie. Das Hauptfeld zeigt ein Opfer: Der Mann ist römisch gekleidet, das Ritual selbst jedoch, das er durchführt, kommt aus der kulturellen Tradition der Provinz "Africa Proconsularis", dem heutigen Tunesien. Eine solch vielfigurige Schilderung eines Opferrituals aus der Zeit nach den Punischen Kriegen (264-146 v. Chr.) in jener Region sei eher unüblich, konstatiert Dr. Günther Schörner vom Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Votivstelen in dieser Form habe es zudem in Rom selbst überhaupt nicht gegeben, dafür jedoch in reichem Maße in Nordafrika.
Untersucht hat der Hochschuldozent vom Institut für Altertumswissenschaften das beschriebene Relief während einer Reise, die ihn vergangenes Jahr nach Tunesien führte. Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zwei Jahre geförderten Schwerpunktprogramms "Römische Reichsreligion und Provinzialreligion" ist er solchen antiken Zeugnissen auf der Spur. Innerhalb des Projekts erforschen cirka 20 Wissenschaftler aus ganz Deutschland, welchen Einfluss die antike Religion auf globale, regionale und lokale kulturelle Prozesse hatte.
 
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Saturn-Stele in El Kef (Tunesien).(Foto: Schörner/FSU)
 



"In Africa Proconsularis existiert nach unserer jetzigen Erkenntnis die größte Anzahl an Kultdarstellungen innerhalb einer römischen Provinz. Sie zeigen zudem ein Nebeneinander von Bildern unterschiedlicher Rituale", betont der Jenaer Archäologe. Als Besonderheit kristallisiert sich heraus, dass solche Bilder häufig für Grabmale verwendet wurden. "Dabei erweist sich das Spektrum der wiedergegebenen Opferdarstellungen als so groß und differenziert, wie sonst nirgendwo im gesamten Imperium Romanum", freut sich Dr. Schörner, der bereits seit vielen Jahren auf dem Gebiet von Opferdarstellungen forscht, über die Ausbeute vor Ort.

Der Archäologe von der Jenaer Universität wurde vor allem bei Votivreliefs, Altären, Friesen öffentlicher und privater Bauten sowie Mosaiken und Münzen fündig. So stieß Schörner auf zahlreiche Reliefs, die Saturn, der wichtigsten Gottheit im nördlichen Afrika, huldigen. Derartiges gebe es in dieser Form im gesamten übrigen Römischen Reich nicht. Zurückzuführen sei das zum einen darauf, dass die Einheimischen "sehr stark in der eigenen Religiosität beharrten". Zum anderen habe "Rom offenbar keinen größeren Wert auf die Übernahme seiner Kulte gelegt, so lange der Zusammenhalt des Imperiums nicht gefährdet war", sagt Dr. Schörner.

Mit dem bei seiner Forschungsreise entdeckten Material ist er sehr zufrieden. Nun stehe die weit schwierigere Aufgabe der Interpretation an, betont der Jenaer Wissenschaftler. Die Ergebnisse dieses DFG-Forschungsprojektes, das noch bis Ende 2006 läuft, sollen in einer Monographie publiziert werden. Dort fließen auch die Resultate der Untersuchungen ein, die Schörner zwischen 2001 und 2004 zum gleichen Thema nach Kleinasien führten.(idw)
 
 

>> Kontakt:
HDoz. Dr. Günther Schörner
Institut für Altertumswissenschaften der Universität Jena
Fürstengraben 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944826
Fax: 03641 / 944802
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>> Veröffentlicht von der Friedrich-Schiller-Universität Jena
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