Die Bezeichnung Diptychon stammt aus dem Griechischen und bedeutet 'zweimal gefaltet'. Sie steht für ein zweiteiliges Tafelbild. Es handelt sich dabei um zweiflügelige beschnitzte oder bemalte, mit Scharnieren verbundene (Altar-)Tafeln. In der Ausführung mit drei Tafeln spricht man von einem Triptychon, eine mehrtafelige Version wird Polyptychon genannt.

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Hans Memling
'Diptychon mit Johannes dem Täufer und der Hl. Veronika' (Bembo-Diptychon)
(Bembo-Diptychon)
um 1480-83
Öl auf Holz
The National Gallery of Art, Washington, D. C., USA

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Außenseiten: Totenkopf und Kelch des Evangelisten Johannes

Der Niederländer Hans Memling schuf dieses zweiflügelige kleine Altarbild gegen Ende des 15. Jahrhunderts Unter anderem zeigt sich hier die frühe Verwendung des Stilllebens. So ist den Heiligen auf der Innenseite auf der Außenseite ein jeweiliges 'Stillleben' zugeordnet. Es steht bei den Darstellungen der Aspekt der Vergänglichkeit, der Vanitasgedanke im Vordergrund; zum einen durch den Totenschädel mit der Inschrift MORIERIS - Du wirst sterben, zum anderen durch den Weinkelch mit Viper, in Anlehnung an die Schale mit dem vergifteten Wein, als Symbol für den Evangelisten Johannes.

Wenn man das Altarbild öffnet, so sieht man auf der linken Seite das Bild Johannes des Täufers und auf der rechten die Heilige Veronika. Höchstwahrscheinlich war das Diptychon für die private Andacht bestimmt. So sah sich der Betende zunächst mit den Stillleben und der mit ihnen verbundenen Mahnung an Vergänglichkeit und Tod konfrontiert, bevor er die Darstellung der Heiligen betrachten konnte.