Der 'Goldgrund', ein 'Hintergrund' aus Blattgold, wurde, unter Einfluss byzantinischer Kunst, seit dem 4. Jh. n. Chr. verwendet. Er fand Verwendung meist für Herrscherdarstellungen und sakrale Szenen in Malerei, Reliefschnitzerei und Buchmalerei. Gold, als Sonnensymbol, schien den wiedergegebenen bedeutenden Personen 'angemessener' als übliche Fonds. Ein weiterer Aspekt ist die Klarheit der hinterfangenden Figur in der Darstellung; die Gegenstände heben sich vorteilhaft vor dem warmen Goldgrund ab, ohne dass das Auge des Betrachters durch einen zu unruhigen Hintergrund irritiert oder abgelenkt würde. Populär in ganz Europa seit dem Mittelalter, wurde der Goldgrund sowohl bei sakralen, als auch bei profanen Werken eingesetzt. Es geschah auch, dass der Grund durch rote oder blaue Ornamente gemustert oder gelüstert (d.h. lasiert) wurde. Üblich war dieses Überziehen des Goldfonds mit farbigen Lacken bei der Verwendung von Blattsilber (bzw. Zwischengold) statt Blattgold. In der westlichen Kunst setzte sich gegen Ende des 15. Jahrhundert der naturalistisch gestaltete Hintergrund vollständig durch; bei der Ikonenmalerei wurde er beibehalten.


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Cimabue hat hier 14 Personen auf einem kostbaren Goldgrund versammelt: 8 Engel, zu beiden Seiten 4, vier Stifterfiguren und zentral Maria mit dem Jesuskind. Die Komposition ist symmetrisch aufgebaut.


Cenni di Pepo, ganannt Cimabue
'Thronende Maria mit Kind'
1272 - 1274
Malerei auf Holz
385 x 225 cm
Florenz, Galleria degli Uffizi



Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898),
Gedicht, 1882:

Auf Goldgrund

Ins Museum bin zu später
Stunde heut ich noch gegangen,
Wo die Heilgen, wo die Beter
Auf den goldnen Gründen prangen.

Dann durchs Feld bin ich geschritten
Heißer Abendglut entgegen,
Sah, die heut das Korn geschnitten,
Garben auf die Wagen legen.

Um die Lasten in den Armen,
Um den Schnitter und die Garbe
Floß der Abendglut, der warmen,
Wunderbare Goldesfarbe.

Auch des Tages letzte Bürde,
Auch der Fleiß der Feierstunde
War umflammt von heilger Würde,
Stand auf schimmernd goldnem Grunde.