Der Begriff 'Trompe-l’oeil' ('Augentäuschung', genauer: 'täusche das Auge', aus dem Französischen 'tromper' = 'täuschen'; 'l’oeil' = 'das Auge'), sowie auch der Terminus 'Quodlibet' (lat. 'was beliebt'), benennt ein illusionistisches Bild, dessen dargestellte Inhalte so naturalistisch (= 'fotorealistisch') gemalt sind, dass sie vom Betrachter als tatsächlich vorhanden empfunden werden. Schon antike Autoren erwähnen die Trompe-l'oeil-Wirkung - als beabsichtigte Augentäuschung der Malerei, die auf höchsten Illusionismus zielt - bei dem griechischen Maler Apelles von Kolophon. Der erzielte Täuschungseffekt ist Ausdruck seines einzigartigen Könnens und begründet den Ruhm dieses gepriesenen Künstlers. Der Maler Zeuxis, nach einer Anekdote Plinius', soll im 5. Jh. v. Chr. auf einem Wandbild Trauben so unmittelbar und täuschend echt dargestellt haben, dass die Vögel sie anpickten. Im Zuge dessen platzierte sein Konkurrent Parrhasios einen gemalten Schleier über abgebildete Gegenstände - in einer derartigen naturalistischen Manier, dass Zeuxis - getäuscht durch diesen Illusionismus der Malerei - den Schleier beiseite schieben wollte, um die Malerei darunter besser beschauen zu können. Die täuschende Wirkung ging, wie in diesem Beispiel, zunächst stets nur von einem Teil des Gesamtbildes aus; nach und nach wurde die Trompe-l'oeil-Malerei der Neuzeit als l'art pour l'art - Prinzip im Barock zum Selbstzweck. Bei der in der Renaissance beliebten Scheinarchitektur wird die perfekte Licht-Schatten-Wiedergabe und die Perfektionierung der Perspektive besonders bei Wand- und Deckengemälden, die eine scheinbare Erweiterung des Raumes, der jeweiligen Architektur bewirken, zur beliebten Aufgabe des Trompe-l'oeil. Innenräume wurden z.B. durch künstliche Ausblicke (vermeintliche Fenster, Kuppeln, 'aufgebrochene' Decken) bereichert. (Beispiel u.a.:  Andrea Mantegnas Fresken für Luigi III. Gonzaga, 1465 und 1474, Castel San Giorgio, Mantua).
In der sakralen Malerei hatte das Trompe-l’oeil seinen Höhepunkt mit der Gegenreformation; Himmelfahrten Jesu und Marias in Deckengewölben manieristischer Kirchen der Jesuiten 'öffneten' diesen den Himmel...

>> Oft werden die Ausdrücke 'Trompe-l'oeil' und 'Quodlibet' gleichgestellt. Meistens aber gilt der Terminus des Quodlibet für Bilder, die eine Anhäufung beliebiger Gegenstände ('Kleinkrams') wiedergeben.  Während Trompe-l'oeil-Bilder häufiger als Gemälde ausgeführt sind, wird das Quodlibet mehr in graphischen Blättern verwendet.

>> Siehe Schlagwort Quodlibet


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Pere Borrell del Caso (Catalan, 1835-1910) lässt diesen Jungen - also das 'Bild' selbst - scheinbar aus seinem Rahmen fliehen - ein 'Trick' des Trompe-l'oeil.
Pere Borrell del Caso
'Escaping Criticism'
1874
Öl auf Leinwand
96 x 62 cm
Banco de España, Madrid